Wie wir morgen leben wollen

Katrin Fahrenkrug vom Institut Raum & Energie saßen 53 hochmotiverte Gemeinde- und Amtsvertreter gegenüber

Bürgermeister, Gemeindevertreter und Mitarbeiter der Verwaltung diskutierten Entwicklungsperspektiven der 25 Dörfer im Amt Sandesneben-Nusse

Sandesneben. „Rettet das Dorf!“ – so dramatisch wie der Titel seiner aktuellen Fachlektüre wollte Amtsvorsteher Ulrich Hardtke die Notwendigkeit zur Entwicklungsplanung im Amt Sandesneben-Nusse nicht formulieren. „Aber bewahren müssen wir unsere Dörfer“, erläuterte er den Teilnehmern einer Klausurtagung, „indem wir ihren Charakter pflegen und zugleich dafür sorgen, dass sie lebenswert bleiben und weiterentwickelt werden.“

Damit war die Zielrichtung umrissen, an der sich 53 Teilnehmer – Bürgermeister, Gemeindevertreter und Mitarbeiter des Amtes – einen Tag lang in intensiven Gesprächsrunden abarbeiten konnten. Wo besteht Handlungsbedarf in den 25 Amtsgemeinden, wo müssen wir eingreifen, gegensteuern oder auch ganz umdenken?

In einem von Fachleuten des Instituts Raum & Energie (Wedel) moderierten Workshop wurden zunächst die kritischen Felder aufgespürt, zu denen Lösungen und Strategien zur Umsetzung diskutiert werden sollten. Auf diese sechs Bereiche konzentrierte sich die Versammlung: bürgerschaftliches Engagement, Wir-Gefühl, Kommunikation/Transparenz, Mobilität, Siedlungsentwicklung sowie Aufgabenteilung/Synergie.

Beispiel Mobilität: Ohne Auto geht Landleben nicht, dazu ist das öffentliche Bus-Angebot zu schwach. Aber: Können Bürgerbus oder Sammeltaxi Fahrplanlücken schließen? Und wie steht es mit Car-Sharing auf dem Dorf? Die Idee wird bereits im Amt diskutiert. Zwei Gemeinden planen, E-Autos zu leasen, zentral an Ladestationen zu parken und über einen Verein zu finanzieren. Ein weiteres Hindernis sind Lücken im Radwegenetz. Eine Arbeitsgruppe wird sich zu beiden Themen im April zusammensetzen.

Zweites Beispiel Stärkung des Wir-Gefühls: Eine „Amtsinfo-Zeitung“, ob gedruckt und/oder online, wurde als Voraussetzung gesehen, die Bürger in die gemeindlichen und regionalen Diskussionen einzubeziehen. So ein Medium ist bedeutsam für fast alle aufgezeigten Problemfelder. Drittens ist Aufgabenteilung/Synergie ein Bereich, der jedes Dorf betrifft und „interkommunale Kooperation“ erforderlich macht. Gemeinsame Investitionen könnten Einsparungen ermöglichen, zum Beispiel bei der Feuerwehr. Hier müssen die Gemeinden zunächst selbstständig ausloten, wo Kooperation zu Synergie führen kann.

53 „rauchenden“ Köpfen entsprangen viele Ideen, die jetzt auf ihre Tauglichkeit überprüft werden sollen. Dass etwas bleiben wird, davon zeigten sich am Ende viele Teilnehmer überzeugt. „Wir sind erstaunlich konkret geworden“, lobte Kühsens Bürgermeister Franz-Jürgen Prüsmann, und Detlef Tesche aus dem Bauverwaltungsamt bestätigte, dass die Verwaltung bereit sei, neue Wege zu gehen. Altgediente Kommunalpolitiker mögen dabei an die entstehende Amtsarena gedacht haben. Als man das letzte Mal in Klausur war, im Jahre 2002, war die zentrale Sporthalle eine Vision der Runde. Allerdings: Auf die Umsetzung guter Ideen sollte man nicht wieder 15 Jahre warten…

Annika Blohm vom Amt Sandesneben-Nusse und Horst Soecknick, Bürgermeister von Walksfelde, präsentieren Diskussionsergebnisse zum Thema Kommunikation und Transparenz
Überblick über Diskussionsthemen und -ergebnisse
Der ehemalige Bürgermeister von Steinhorst, Heinz-Peter Strunck (links) im Gespräch mit dem Duvenseer Gemeindevertreter Gerd Vogler
Gemeindevertreterin Andrea Janke (Wentorf A.S.) diskutiert mit Nusses Bürgermeister Lars Wunsch

Text & Fotos: Matthias Schütt