Ohne Ehrenamt kein Freibad

35 ehrenamtliche Bademeister sorgen für eine familiäre Atmosphäre in Steinhorst – Dennoch ist der Kostendruck enorm


​Wenn Horst Wardius um neun Uhr das Freibadtor aufschließt, kann er sich auf seinen „harten Kern“ verlassen: 10 bis 15 Schwimmer der Altersgruppe 75 plus warten zum Teil schon vor der Tür, um ihre morgendlichen Bahnen zu ziehen. Sie und die jüngsten Wasserratten sind die Grundpfeiler, auf die das kleine Freibad in dem 583-Einwohner-Dorf immer bauen kann. Sie schauen nicht erst aufs Thermometer, bevor die Badetasche gepackt wird. Die wetterfühligen mittleren Jahrgänge sind es jedoch, die über den Erfolg einer Badesaison entscheiden. Und da haben Wardius und  Kollegen in den vergangenen Wochen manches Tief erlebt.

Urlaub geopfert
„An schlechten Tagen können wir froh sein, wenn 30, 40 Badegäste kommen“, beschreibt Wardius die Lage in der ersten Juli-Hälfte. Das ist in Steinhorst doppelt misslich. Schwacher Besuch drückt auf die Stimmung, weil immer zwei Aufsichtskräfte vor Ort sein müssen, auch wenn nur ein Badegast erscheint. Vor allem aber, weil die Aufsicht ausschließlich von Ehrenamtlichen der örtlichen DLRG geleistet wird, von denen einige sogar Teile ihres Jahresurlaubs dafür opfern. Bestes Beispiel ist Wardius selbst: Der 64-jährige Betriebsmittelkonstrukteur bei Hako in Bad Oldesloe ist im Haupt-Ehrenamt Bürgermeister von Steinhorst, und doch jedes Jahr mindestens eine Woche auch Bademeister, diesmal im Team mit Ehefrau Manuela.

30 bis 35 Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe – die jüngsten 15, die älteste 80 – das ist die Crew für den Dienstplan der rund 100 Badetage zwischen Ende Mai und Anfang September. Die meisten nehmen sich eine Woche am Stück Zeit dafür. Die Aufgaben umfassen nicht nur die Badeaufsicht und kleinere technische Aufgaben, sondern auch Schwimmunterricht sowie die Abnahme von Prüfungen.

Heute will Paula (8) für das Jugendschwimmabzeichen Silber üben. Sie kommt mit Familie aus Berlin, aber „Steini“ gehört für alle mit dazu, wenn es zu Opa und Oma nach Sandesneben geht. Leider klappt es heute noch nicht mit den 10 Metern Streckentauchen. Das hat Alexandra (14) aus Trittau bereits hinter sich, die von Wardius nach der letzten Prüfung das Silberabzeichen entgegennimmt. 2018 wurden 160 solcher Prüfungen abgenommen.

Am Sonntag zeigte sich zur Freude von Kassiererin Manuela Wardius mal wieder der Sommer. „Ein guter Tagesdurchschnitt liegt bei 150 bis 180 Gästen“, ist ihr Erfahrungswert, „an Spitzentagen sind es um die 400.“ Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen, wie man sieht sogar aus Berlin. Rund 900 Dauerkarten, davon zwei Drittel für Kinder, bilden neben den Zuschüssen von Amt und Gemeinden das Grundgerüst der Finanzierung. Für die Deckung der rund 50 000 Euro Kosten pro Jahr reicht das jedoch nicht.

Förderverein ist ein großer Rückhalt
Dringender Wunsch ist deshalb eine Trägerform, die die wirtschaftliche Verantwortung von der Gemeinde nimmt. Das Ehrenamt aber muss in jedem Fall erhalten bleiben. „Das ist das Liebenswerte hier an Steinhorst: Wir sind eine große Badefamilie“, sagt Frank Hartmann aus Sandesneben. Er ist einer von 120 Mitgliedern des Fördervereins, der seit 2006 rund 50 000 Euro für das Freibad aufgebracht hat. Etwa für die Solarthermie, die für eine  konstante Wassertemperatur von 23 Grad sorgt. 




Quelle: Lübecker Nachrichten, 23.7.2109 – Matthias Schütt