„Unsere Wappen“

Neue Ausstellung im Regionalzentrum Sandesneben
Sandesneben Was früher Städten vorbehalten war – ein eigenes Wappen –, haben sich in den letzten Jahrzehnten auch viele kleinere Gemeinden angeschafft. Im Amt Sandesneben-Nusse haben sich sogar alle 25 Dörfer seit den 1980er-Jahren ein Wappen und oft auch eine Flagge entwerfen lassen, zuletzt Schönberg 2017. Ab Dienstag, 13. April 2021, sind diese Abzeichen in einer Ausstellung im Regionalzentrum Sandesneben zu sehen.

Jetzt im Frühling werden sie wieder vielerorts sichtbar, wenn stolze Dorfbewohner ihre Fahnenmasten bestücken. Und auch Feuerwehrleute tragen das Gemeindewappen auf dem Uniformärmel. Löwen und Frösche, Bäume und Blätter, Burgen, Mühle, Brunnen – so vielfältig die zur Auswahl stehenden Symbole sind, so hoch sind die Hürden für die Aufnahme in die kommunale Wappenrolle. Im Landesarchiv in Schleswig sitzt eine strenge Heraldikerin, die die eingereichten Entwürfe prüft. Erlaubt sind nur die Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz sowie die Metalle Gold (gelb) und Silber (weiß). Auch in der Kombination gelten bestimmte Einschränkungen.

„Dennoch bestechen die Wappen durch ihre Vielfalt, aber das ist nicht wirklich überraschend“, betont Archivar Christian Lopau. „Ein Wappen soll ja gerade die Merkmale herausstellen, die eine Gemeinde von anderen unterscheidet.“ Wie schon in früheren Ausstellungen im Regionalzentrum hat Lopau im Team mit den Kuratorinnen Renate Andresen und Heike Petersen die historischen Hintergründe ausgeleuchtet.  

Im Idealfall erzählen Wappen ganze Geschichten, die meisten weisen zumindest auf historische Besonderheiten hin. Wie der rote Löwe in Steinhorst. Er war das Wappentier der Familie von Wedderkop, der im 17. Jahrhundert einige Jahrzehnte das dortige Gut gehörte. In Nusse fällt ein Wappen im Wappen auf: die Farbkombination rot und weiß auf ansonsten grünem Untergrund, die auf die alte Zugehörigkeit des Dorfes zur Hansestadt Lübeck anspielt. Gold und Schwarz sind dagegen die Farben von Schönberg, als Verweis auf die jahrhundertelangen Eigentumsrechte der Askanier an dem Dorf. 

Eine Besonderheit ist das Amtswappen von Nusse, weil es nur noch historische Bedeutung hat: Mit der Fusion der Ämter zum neuen Amt Sandesneben-Nusse gab es auch ein neues Wappen.

Interessant auch die Frage, wer die Wappen entworfen hat. „19 Gemeindewappen gehen auf nur vier Gestalter zurück“, hat Lopau recherchiert. Während der berühmte Grafiker A. Paul Weber mit einer Arbeit vertreten ist, dem Wappen von Panten, hat Wolfgang Bentin (Kastorf) seit 2004 über 30 Wappen in der Region entworfen, darunter einige der ausgestellten Abzeichen.

Text und Fotos: Matthias Schütt

Renate Andresen (links) und Heike Petersen mit der Flagge von Panten, die auf einen Entwurf von A. Paul Weber zurückgeht.
Christian Lopau mit einigen der ausgestellten Wappen. In den Händen hält er das alte Wappen des Amtes Nusse.