Zukunftsplanung mit Bürgerbeteiligung

Amt Sandesneben-Nusse hört für Amtsentwicklungskonzept Wünsche der Bürger

Die Jungen ziehen  in die Stadt und die Alten brauchen andere Wohnungen – der demografische Wandel stellt die Gemeinden im ländlichen Raum vor gewaltige Herausforderungen. Im Amt Sandesneben-Nusse wird deshalb ein Amtsentwicklungskonzept vorbereitet. Dazu hatten die Bürger der 25 Gemeinden in vier Informationsveranstaltungen Gelegenheit, Ideen für die Weiterentwicklung ihres Wohnortes einzubringen. 

Die Prognose für Sandesneben-Nusse drängt zum Handeln: Wie die Amtsverwaltung mitteilt, wird  bei einem allgemeinen Bevölkerungsrückgang von acht Prozent (1200 Einwohner) bis 2030 die Zahl der unter 20-Jährigen um 22 Prozent sinken, während andererseits die Altersgruppe über 65 Jahre um 39 Prozent anwächst.  Der vom Institut Raum & Energie (Wedel) moderierte Diskussionsprozess begann im Juni mit einer Bürgermeisterrunde und bezog in der zweiten Stufe die Bürger mit ein. In weiteren Arbeitsgruppen soll bis zum Sommer ein Konzept für die  nächsten zehn bis 15 Jahre entstehen.
Top-Themen: Bauen und Verkehr

Neue Daten werden auch in der Landespolitik  erwartet. Wie Moderator Jürgen Wittekind erläuterte, werden Förderprogramme in Zukunft wesentlich stärker darauf ausgerichtet, dass vorher die Wünsche der Bürger ermittelt wurden. Am Freitagabend in Linau griffen die rund 40 Teilnehmer den Hinweis gern auf und zeigten Handlungsdruck vor allem in zwei Bereichen: im Verkehr und beim Bauen/Wohnen. Weitere Wünsche zielen auf eine bessere Versorgung (Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte) und die Schaffung von Freizeiteinrichtungen vor allem für Jugendliche. „Das bestätigt die Prioritäten der anderen Veranstaltungen“, fasste Wittekind die Ideensammlung zusammen. 

Bei der Bauentwicklung wird ein Paradigmenwechsel erwartet: Statt immer neue Baugebiete an den Ortsrändern auszuweisen, geht der Blick in den Innenbereich. Vielfach stehen alte landwirtschaftliche Gebäude leer, die umgebaut werden könnten. Statt klassische Einfamilienhäuser, neue Wohnformen und kleinere Einheiten, die einen weiteren Trend auffangen könnten: Die Zahl der Haushalte werde trotz Bevölkerungsrückgang steigen.
Bürokratie als Hemmschuh

Doch wie beim Verkehr, wo der Ruf nach neuen Radwegen überlagert wurde von dem noch größeren Wunsch, ein abgestimmtes Radwegekonzept über Amts- und Kreisgrenzen hinaus zu entwickeln, gab es in Linau auch bei anderen Themen skeptische Einwürfe. Jeder kannte ein Beispiel, wo eine wichtige Verbesserung von der Bürokratie durchkreuzt wurde. Sei es die Ärztin, die in Linau keine Praxis eröffnen dürfe, weil sich die Kassenärztliche Vereinigung sperrt, oder der Mobilfunkmast, für den alle Genehmigung vorliegen, der aber von der unteren Naturschutzbehörde blockiert werde. 

Das Konzept setze deshalb voraus, dass auch Gesetzgeber, Behörden und Verbände das Regelwerk im Sinne der notwendigen Neuerungen anpassen. „Ohne Bereitschaft, über den Tellerrand hinauszublicken“, so ein Kritiker „bringt das beste Konzept nichts.“

Wer seine Ideen noch einbringen möchte, hat dazu hier auf der Internetseite des Amtes Sandesneben-Nusse Gelegenheit: https://amt-sandesneben-nusse.de/bereich/amtsentwicklungskonzept/



 

Text und Fotos: Matthias Schütt
Quelle: Lübecker Nachrichten